Wednesday, November 16, 2005

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Hackl Andreas

0357086

ein Essay über....... :

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2.) Welche Hauptfragen und -anliegen kennzeichnen den Funktionalismus eines Malinowski oder den Strukturfunktionalismus eines Radcliffe-Brown? Diskutiere die Beiträge in Theorie und Methode, die die beiden Gründerfiguren der britischen Anthropologie in die Wissenschaftstradition einbrachten.

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Als eine wichtige Perspektive bei der Gegenüberstellung zweier verschiedener Theorien und ebensolcher Methoden, legt sich mir eine grundsätzliche Aufarbeitung des Entstehungs-Kontextes, und der unterschiedlichen Prägungen dieser beiden, ohne Zweifel sehr einflussreichen Vorreiter der heutigen Anthropologie auf:

Alfred Reginald Radcliffe-Brown wuchs in Birmingham auf, eine Stadt die sich zu seiner Jugendzeit inmitten der industriellen Revolution befand, und als „grau“ und „ungesund“ galt. Er war in seiner Jugendzeit bekennender Anarchist, und wurde von seinen Kommilitonen liebevoll „Anarchy-Brown“ genannt. Er studierte Psychologie und Ökonomie, und beschäftigte sich sehr viel mit der Frage, ob und auf welche Weise Menschen ohne Herrschaft und ohne Staat leben können.

Bronislaw Malinowski wuchs in Krakau als Mitglied des polnischen Adels auf, eine Stadt die Ende des 19. Jahrhunderts unter der liberalen Herrschaft Österreichs zum Zentrum polnischer Kunst und Kultur aufstieg. Die Instrumentalisierung der Geschichte für nationalistische Zwecke in der untergehenden Habsburgmonarchie missfiel ihm sehr und beeinflusste später seinen Funktionalismus. Zudem galt er als sehr extrovertierter Mensch, der es verstand und genoss sich selbst und seine Arbeit zu veröffentlichen.

Es stellt sich für mich im Zuge einer Reflektion die Frage, inwiefern die verschiedenen Umwelten, aber auch die zueinander völlig unterschiedlichen, ersten Feldforschungsvoraussetzungen der beiden dazu beitrugen, dass eben Malinowski die einen, und Brown eben die anderen Methoden, und Ergebnisse entwickelte, und von diesem Ansatz inspiriert möchte ich noch ein paar Worte zur Kritik im Allgemeinen legen.

Macht es Sinn Malinowski für seine Tagebücher zu kritisieren, oder Brown dafür dass er wenig veröffentlichte ? Die Kritik an Feldforschungen und den aus ihnen resultierenden Arbeiten, welche unter ganz bestimmten Voraussetzungen entstanden , und von der Einbeziehung der Persönlichkeit des Forschers nicht unbeeinflusst sind, kann nur dann voll und ganz gerechtfertigt sein, wenn alle Entstehungs- und Entwicklungsfaktoren dabei miteinbezogen werden. Der wichtige Stellenwert von Kritik als Impulsgeber für Diskussion und Reflektion ist mir natürlich bewusst.

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Bronislaw Malinowski(1884-1942) gilt als Begründer des Funktionalismus, welcher in seinem Kern an Emile Durkheim (1858-1917) anknüpft, und sich aus der Kritik am Evolutionismus entwickelt hat. Durkheim sah schon früh einzelne Institutionen als Organe eines soziokulturellen Systems, und prägte dadurch sowohl den Funktionalismus Malinowskis, als auch den Strukturfunktionalismus Alfred Reginald Radcliffe-Browns. Bei dem hier angesprochenen Funktionalismus geht es vor allem darum, dass sämtliche soziokulturellen Bereiche miteinander verbunden sind, eine jeweils eigene Funktion und Aufgabe haben, aufgrund dieser Funktion analysiert werden können, und sich zudem untereinander vielseitig beeinflussen. Malinowski stellt zudem in den Mittelpunkt, dass man in die Analyse keine historischen Komponenten miteinbeziehen sollte, sondern auf das „Jetzt“ fokussieren muss. Eine weitere Theorie, die der „basic needs“, fand kein sehr positives Echo vor. In dieser versuchte er zu beweisen, dass die Kultur aus vielen verschiedenen Elementen besteht und dass diese eigentlich nur dafür existieren um die “Basic needs“ der Individuen zu befriedigen.

Das Hauptanliegen des Strukturfunktionalismus Browns ist das Erstellen eines möglichst objektiven Bildes der „Funktionsweisen und ambivalenten Beeinflussungsmechanismen einer bestimmten Gesellschaft, die dann mit anderen Gesellschaften verglichen werden soll, um Gleichheiten und Unterschiede herauszuarbeiten(vgl. Barnard 2004: 77)“. Eines seiner Hauptziele war die natürlichen Gesetze der Gesellschaft zu finden, was seiner Meinung nach einen Staat als System überflüssig machen würde.

Alfred Reginald Radcliffe-Browns theoretische Arbeiten haben großen Anklang gefunden, und waren weitgreifender als Malinowskis. Zudem soll er ein sehr fesselnder und mitreißender Vortragender gewesen sein. Er lehrte in Cape Town(Kapstadt), Sydney und Chicago. Aufgrund seiner extremen politischen Ansichten, verließ er Süd Afrika sowie Australien bald und fand vor seiner Rückkehr nach Oxford in Chicago halt, wo er eine Reihe von Kollegen stark beeinflusste. Brown beschäftigte sich auch mit Totemismus am Beispiel der australischen Aborigines. Er erarbeitete dabei zwei Theorien, bei der ersten stellte er fest dass der Totemismus eine besondere Entwicklung des Symbolismus der Natur ist. Seine zweite Theorie dringt etwas tiefer vor, und beschäftigt sich damit wie Aborigines Personen in bestimmte soziale Gruppen einteilen, und auch wie sie Tiere als Mitglieder von Tierarten klassifizieren und welches Verhältnis zwischen den beiden Klassifikationssystemen herrscht (vgl. Barnard 2000: 76).

Die großen Errungenschaften Bronislaw Malinowskis, mitunter die teilnehmende Beobachtung, und die Entdeckung der Feldforschung als Methode grundsätzlich, waren ebenfalls herausragend, und sind es als wichtiger Bestandteil der heutigen Kultur- und Sozialanthropologie immer noch. Er erlernte die Sprache der Trobrianden, und sah sich zudem während der gesamten Dauer seiner dortigen Forschung in ihr soziales System inkludiert, oder versuchte dies zumindest, durch die von ihm definierte teilnehmende Beobachtung . Seine persönlichen Einträge in ein Tagebuch, und die damit verbundene Auseinandersetzung mit den gegebenen Umständen aus einer subjektiven, durch die Erwartungen und Tabus der Öffentlichkeit nicht zensierten Perspektive, erachte ich als besonders wertvoll. Die Illusion einer totalen Objektivität wird hier durch die Gegenüberstellung der „gewollten“ Veröffentlichungen über die Feldforschung, und den „ungewollt“ veröffentlichten Tagebüchern eliminiert.

Er trug mit seinen viel und gern gelesenen Publikationen, wie zum Beispiel "Über das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien"- ein nicht ganz alltäglicher Inhalt, zur Verbreitung und Anerkennung der Anthropologie in der breiten Öffentlichkeit bei.

Der Einfluss der beiden ist aufgrund der Unterschiedlichkeit schwer zu vergleichen, oder auf eine Wage zu stellen. Man kann im großen und ganzen zusammenfassen, dass die Feldforschung Malinowskis wohl eine der herausragendsten Neuheiten in der Anthropologie seiner Zeit und überhaupt war, und die Art wie er mit seinen Informanten umging, und die Popularität seiner Veröffentlichungen besonders hervorzuheben sind. Browns Einfluss auf den Strukturalismus, die breite seiner theoretischen Muster, die überall gern gesehenen Vorträge, und seine Suche nach den natürlichen Gesetzen der Gesellschaft müssen ebenfalls besonders betont werden.

Interessant wäre noch zu wissen, wie sich die beiden zu den über sie laufenden Diskussionen der heutigen Zeit äußern würden.

Womöglich würden sich die beiden im Grab umdrehen.

Quellen:

Alan Barnard „History and Theory in Anthropology“, 2000 Cambridge University Press

Wikipedia

One discipline, four ways : Fredrik Barth “Britain and the commonwealth”

Friday, October 28, 2005

einweihung

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